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wndn.de, St. Wendeler Land Nachrichten, 03.03.2019

Tholey: Die wichtigsten Fragen und Antworten zur Sanierung der Abteikirche
Von: Christian und Thomas Funck

Seit Mai 2018 wird die Tholeyer Abteikirche umfangreich saniert. Seitdem ist das frühgotische Gotteshaus geschlossen und innen wie außen komplett eingerüstet. Doch was genau haben die Mönche mit dem 750 Jahre alten Sakralbau vor?

Wird wirklich Gerhard Richter – der begehrteste und teuerste lebende Künstler der Welt – die drei neuen Hauptfenster entwerfen? Und wenn ja, wie werden sie aussehen? Wird die bisher im Inneren steinsichtige Kirche wirklich gestrichen werden? Und wenn ja, in welcher Farbe? wndn.de hat die wichtigsten Fragen und Antworten kompakt zusammengefasst:

Warum wird die Kirche saniert und renoviert? Welche Arbeiten werden im Einzelnen an der Abteikirche vorgenommen?

Zum einen geht es um Instandhaltungs- und Renovierungsarbeiten: Am Turm wird der Glockenstuhl erneuert. Außerdem werden Steinmetzarbeiten vorgenommen: So werden an Turm und Schiff 3000 erodierte Steine durch einen optisch sehr ähnlichen, aber bauphysikalisch besseren Stein aus der Pfalz ersetzt sowie das Portal erneuert. Des Weiteren wird eine neue Orgel eingebaut.

Zum anderen wird der Innenraum neugestaltet. Der Innenraum der Kirche soll heller werden und es soll mehr Licht in die Kirche hineinkommen. Es werden alle Fenster ausgetauscht. Außerdem wird die Kirche innen angestrichen und erhält eine neue Beleuchtung.

Warum gibt es neue Fenster?

Die alten Fenster stammen von dem ehemaligen Tholeyer Mönch Pater Bonifatius Köck (1924-2016). Sie wurden im Zuge der letzten großen Renovierung der Abteikirche zwischen 1957 und 1963 eingebaut. Die alten Fenster wiesen ein vielfältiges Schadensbild auf. Dieses reichte von Glaskorrosion, dem Verfall von Beschichtungen, über Risse und Sprünge großen Ausmaßes bis hin zum seinerzeit unsachgemäßen Einbau. Der Verfall der Beschichtung und die Glaskorrosion führten dazu, dass 80 Prozent des Tageslichts geschluckt wurden.

Eine Restaurierung aller Fenster hätte viele Jahre gedauert und hätte einen riesigen finanziellen Aufwand bedeutet. Eine Neuanfertigung der Fenster mit gleichen Motiven wurde nicht umgesetzt, weil die abstrakten Köck-Fenster nach Ansicht der Mönche heute nur noch schwer verständlich sind. Daher entschied sich die Abtei für neue, figürliche und daher besser verständliche Fenster.

Was passiert mit den alten Fenstern?

Die alten, unter Denkmalschutz stehenden Fenster wurden ausgebaut und werden denkmalgerecht gelagert. Es gibt aber die Überlegung, ein Köck-Fenster (Köcks Lieblingsfenster) in der Abteikirche zu lassen. Dabei handelt es sich um das obere kleine, runde Fenster an der Westwand des rechten Seitenschiffs.

Wer macht die neuen Fenster?

Die drei Hauptchorfenster der Kirche werden von dem Kölner Künstler Gerhard Richter entworfen. Die übrigen Fenster werden von Frau Dr. Mahbuba Maqsoodi aus München gestaltet. Maqsoodi setzte sich in einem Wettbewerb unter mehreren international arbeitenden Künstlern, die um Entwürfe nach thematischen Vorgaben der Abtei gebeten worden waren, durch.

Gerhard Richter gilt als der bedeutendste und erfolgreichste lebende Künstler der Welt. Im Kunstkompass, einem Ranking der weltweit gefragtesten Künstler der Gegenwart, belegt er seit Jahren Platz eins. Er gilt als der „Picasso des 21. Jahrhunderts“ (The Guardian/Großbritannien). Bislang hat der 86-Jährige nur für eine Kirche in der Welt ein Fenster entworfen: Für den Kölner Dom. Wie kam es dazu, dass Richter die Tholeyer Chorfenster entwirft?

Der Konvent war bereits mit der Planung der Fenster fertig, als ein Tholeyer Kirchgänger im Gespräch mit Bruder Wendelinus Naumann darauf hinwies, dass viele Menschen allein wegen der Chagall-Fenster die Kathedrale in Metz besichtigen würden. Da Chagall jedoch seit über 30 Jahren verstorben ist, kam die Frage auf, welchen Gegenwartskünstler man mit Chagall vergleichen könne. So kam man auf Gerhard Richter.

Die Abtei schrieb daraufhin einen Brief an Richter mit der Anfrage, die drei Hauptchorfenster zu entwerfen. Bernhard Leonardy, Organist der Basilika St. Johann in Saarbrücken, der seit einer Vertonung eines Photo-Painting-Zyklus von Richter Kontakt zu dem Kölner Künstler hat, intensivierte den Kontakt. In einer ersten Reaktion war Richter mit Verweis auf sein Alter und die Größe des Projekts zurückhaltend. Er lehnte das Angebot jedoch auch nicht ab, sondern bat darum, ihm die Maße der Fenster zu schicken. Daraufhin schickte man ihm eine CD mit den Maßen aller Abteifenster. In der Rückmeldung stellte sich heraus, dass Richter vor einigen Jahren an einem Projekt gearbeitet hatte, für dessen Umsetzung Fenster in der Größe der Tholeyer Hauptchorfenster gut geeignet wären.

Die Werke von Gerhard Richter sind auf dem Kunstmarkt die teuersten eines lebenden Künstlers. Zahlreiche Werke wurden für mehr als 10 Millionen Euro verkauft. Wie kann die Abtei die Richter-Fenster bezahlen?

Die Abtei zahlt die Material- und Herstellungskosten. Gerhard Richter arbeitet darüber hinaus – wie bereits beim sog. Richter-Fenster im Kölner Dom – unentgeltlich.

Werden die neuen Fenster ornamental oder figürlich gestaltet?

Das Programm wird aus rein theologischer Sicht gestaltet. Mit Ausnahme der drei Richter-Fenster werden alle neuen Fenster figürlich.

Welche Motive werden die vier neuen Fenster im nördlichen (linken) Seitenschiff haben?

Diese Fenster werden Tholeyer Heiligen gewidmet. Zum einen werden die Fenster die Klosterpatrone Wendelin (der Legende nach erster Abt von Tholey und u. a. Namensgeber der Stadt St. Wendel), Kuno (1066 zum Erzbischof von Trier ernannt und in Tholey beigesetzt) und Theobert (im Mittelalter Mönch der Abtei Tholey) abbilden. Das vierte Fenster wird den Hl. Rodingus (auch Craudingus genannt) zeigen, der im 7. Jahrhundert Abt von Tholey war.

Welche Motive werden die neuen Fenster im südlichen (rechten) Seitenschiff haben?

Diese Fenster werden heilige Benediktiner zeigen: Ordensgründer Benedikt von Nursia, seine Schwester Scholastika, Papst Gregor den Großen und Hildegard von Bingen. Hierzu wird das vierte, bislang zugemauerte Fenster, hinter dem sich der Lenoir-Bau (Südflügel der Abtei) befindet, ebenfalls verglast und mit einer Regeltechnik hinterleuchtet. Insbesondere die Darstellung von Benedikt und seiner Schwester Scholastika soll aussagen, dass beide Geschlechter zur Nachfolge Jesu berufen und gleichwertig sind.

Welche Motive werden die neuen Fenster im nördlichen (linken) Nebenchor haben?

Diese drei Fenster werden Jesus Christus zum Thema haben. Das linke Fenster handelt von Weihnachten und dem Leben Jesu Christi. Auf dem rechten Fenster werden Passion und Tod Jesu dargestellt. In die Mitte kommen das Pfingstereignis und darüber die Himmelfahrt Christi. Letztere wird dargestellt durch die Hand des Vaters, der den Sohn zu sich nimmt.

Welche Motive werden die neuen Fenster im südlichen (rechten) Nebenchor haben?

Im rechten Nebenchor befinden sich die Gebeine des Hl. Mauritius. Die Fenster hinter dem Mauritius-Altar werden daher den Hl. Mauritius zeigen.

Welche Motive werden die neuen Fenster im Obergaden (Fenster auf oberer Wandfläche des Mittelschiffs) haben?

Im Obergaden werden Figuren aus dem Alten und Neuen Testament gegenübergestellt. Hierzu gehören Adam und Eva und die vier Evangelisten.

Wie wird das neue große West-Fenster aussehen?

Das große, lange West-Fenster wird, obwohl es von der Orgel verdeckt wird, dennoch figürlich gestaltet. Ein Entwurf liegt bereits vor: Analog zum „Tholeyer Teufelchen“, das in einem Kapitell des rechten Seitenschiffes versteckt ist und nicht zum Altar sehen darf, wird im West-Fenster der Satans-Sturz dargestellt. Der Teufel kann nicht das Heil am Altar sehen. Und auch der Priester zelebriert nicht Richtung Teufel, sondern Richtung Orgel. Nur wenn man mit dem Kopf im Genick unter der Orgelempore steht, sieht man, wie der Teufel runtergestürzt kommt.

Der Satans-Sturz wird im Lukas-Evangelium beschrieben (Lk 10, 18: „Da sagte er zu ihnen: Ich sah den Satan wie einen Blitz aus dem Himmel fallen.“). Der Erzengel Michael verweist auf dem Fenster den Teufel nicht mit dem Schwert, sondern mit dem Finger aus dem Himmel. Dies soll symbolisieren, dass das Wort stärker ist als die Waffe, und dass die eigentliche Waffe das Wort Gottes ist. Nach der alten israelitischen Vorstellung war der Satan beim Jüngsten Gericht der Ankläger, der den Menschen ihre Verwerflichkeit aufzeigte und dafür sorgte, dass sie alle verurteilt und verdammt wurden. Durch den Satans-Sturz wird der Teufel aus dem Himmel verbannt. Somit treten die Menschen nur noch vor den barmherzigen Richter Jesus Christus.

Wie werden die kleinen West-Fenster aussehen?

Ein Westfenster wird in Erinnerung an Köck vermutlich bleiben (s. o.). Das Fenster an der Westwand des linken Seitenschiffs soll ein Marienmonogramm erhalten. Darunter wird ein Marienaltar errichtet. Das Fenster an der Westwand des rechten Seitenschiffs, das sich unterhalb des „Köck-Fensters“ befindet, soll Adalgisel Grimo und Paul von Verdun darstellen. Adalgisel Grimo verfasste 634 n. Chr. sein Testament, das erstmalig die Existenz der Tholeyer Abtei, des ältesten Klosters Deutschlands, belegt. Die Abschrift des Testaments aus dem 10. Jahrhunderts ist die älteste Urkunde des Rheinlandes. Paul von Verdun war der Abtsliste zufolge der zweite Abt von Tholey und später Bischof von Verdun.

Wie werden die Richter-Fenster im Hauptchor (Osten) aussehen?

Erste Entwürfe liegen bereits vor. Die Richter-Fenster enthalten viele und kräftige Farben. Die Muster stellen visualisierte Musik-Harmonien dar. Die Entwürfe haben folgenden Hintergrund: Der estnische Komponist Arvo Pärt (geb. 1935) komponierte einen „Alleluia-Tropus“, den er Richter widmete. Pärt wurde 2017 mit dem Joseph-Ratzinger-Preis ausgezeichnet. Dieser wird in Absprache mit Papst em. Benedikt XVI. verliehen und gilt als „Nobelpreis der Theologie“. Richter setzte Pärts Alleluia-Komposition in bildende Kunst, also Form und Farben, um. Die Richter-Fenster werden die einzigen neuen Abtei-Fenster sein, die nicht figürlich gestaltet werden. Die Aussage dahinter ist folgende: Anders als die Heiligen, die Menschen waren, und obwohl Jesus als Sohn Gottes menschliche Gestalt angenommen hat, ist Gott als letztes Mysterium für die Menschen auf Erden visuell verschlossen. Die Richter-Fenster sollen mittels der Harmonie der Musik sowie der Harmonie der Farben und Formen ausdrücken, dass Gott höchste Harmonie bedeutet.

Welche Farbe wird der Innen-Anstrich haben?

Die im Inneren bislang steinsichtige Kirche erhält wieder einen Anstrich. Untersuchungen zufolge war die Kirche in früheren Jahrhunderten bereits innen angestrichen. Der ursprüngliche Anstrich der Kirche war vor 750 Jahren ein kräftiges Rot mit weißen Fugen. Später hat es mehrere helle Farbfassungen gegeben. Dies wurde aus kleinen Farbresten geschlossen, die sich teilweise noch auf den Steinen befinden. Der neue Anstrich wird hell-beige. Der Anstrich besteht aus einer Kalkschlämme und soll komplett reversibel sein. Auch die Altbefunde sollen nicht angegriffen werden. Es ist vorgesehen, die Schlusssteine zu betonen. Der Raum soll höher und größer erscheinen. Über die genaue Farbfassung wird nach Einbau der neuen Fenster entschieden.

Wird die barocke Orgelempore auch gestrichen werden?

Ja, die barocke Orgelempore wird wahrscheinlich weiß mit dezenten, goldfarbenen Abhebungen gestrichen.

Wie wird die neue Innen-Beleuchtung sein?

Es wird ein Beleuchtungskonzept erarbeitet. Es ist angedacht, dass es für verschiedene Situationen (Gottesdienst, Konzert, Besucher) verschiedene Beleuchtungen gibt. Die Lampen sollen nicht mehr an der Decke hängen. Über dem Altar wird es keinen zentralen Leuchter mehr geben, damit die Blickachsen frei sind. Der Altar wird von mehreren Stellen aus angeleuchtet werden.

Wird es neue Bänke geben?

Nein, aber die alten Bänke sollen überarbeitet und dunkel gestrichen werden. Sie erhalten Sitz- und Kniepolster. Zukünftig werden nur noch im Mittelschiff Bänke stehen. Für die Seitenschiffe ist eine ambulante Bestuhlung vorgesehen.

Wird es Veränderungen im Chor geben?

Der „Tholeyer Engel“ wird durch eine Mauritius-Figur ersetzt.

Wo kommt der „Tholeyer Engel“ hin?

Der „Tholeyer Engel“ kommt in das rechte Seitenschiff neben die Tür, die in den Lenoir-Bau (Westflügel der Abtei) führt.

Wer baut die neue Orgel?

Das barocke Gehäuse von 1736 bleibt erhalten. Die bisherige Orgel der Firma Oberlinger aus dem Jahr 1960 wird durch eine neue Orgel der Firma Hugo Mayer aus Heusweiler ersetzt. Es wurde ein technischer Neubau der Orgel mit 42 Registerspielen, verteilt auf drei Manuale und Pedal beauftragt.

Wird es vor dem Hauptportal weiterhin einen Vorbau geben?

Nein, der Vorbau verschwindet. Zudem wird das Hauptportal von einem Würzburger Bildhauer erneuert. Links und rechts des Portals werden Figuren der vier Klosterpatrone (Mauritius, Wendelin, Kuno und Theobert) aufgestellt. Auch das Tympanon (Bogenfeld) und die Archivolten (Bogenläufe) werden erneuert. Im Tympanon befand sich eine verwitterte Figur, die kaum noch als auferstandener Jesus Christus, der seine Hand zum Segensgruß erhebt, erkennbar war. Daher wird diese Christusfigur rekonstruiert. So soll deren Botschaft, dass alle Menschen, die zu Jesus durch das Portal schreiten, gegrüßt und gesegnet sind, wieder erkennbar werden. Eine rekonstruierte Kopie des „Tholeyer Engels“ und eine Marienfigur werden links und rechts über dem Portal errichtet. Beide werden durch eine gotische Fiale (aus Stein gemeißeltes, schlankes, spitz auslaufendes flankierendes Türmchen) gekrönt. Alle rekonstruierten Figuren werden aus einem etwas helleren Stein gemeißelt, um als zeitgenössische Kunst erkennbar zu sein. Die Treppe, die von der Straße „Im Kloster“ auf das Portal zuläuft, soll entsprechend verbreitert werden.

Wann wird die Kirche wiedereröffnet?

Die Kirche wird frühestens im Herbst 2019, wohl aber erst nach Ostern 2020 wiedereröffnet. Eine konkrete Zeitangabe wird man nach dem Winter im März treffen können.

Saarbrücker Zeitung vom 06.02.2019

Kommen Gerhard Richter und Arvo Pärt?
Eine Festwoche für die Tholeyer Abtei
Von: Cathrin Elss-Seringhaus

Bernhard Leonardy (l.) bei Komponist Arvo Pärt im Arvo-Pärt-Zentrum in Laulasmaa, 30 Kilometer nahe der estnischen Hauptstadt Tallinn. FOTO: Musikfestspiele Saar

Tholey. Einweihung soll kurz nach Ostern 2020 sein. Gäste von Weltrang werden erwartet: Arvo Pärt und Gerhard Richter.

Bernhard Leonardy ist der Architekt eines großen Kunst-Coups. Seit Jahren hat er losen Kontakt zu Gerhard Richter (86), weil er einen Photo-Painting-Zyklus vertonte, und deshalb konnte er Deutschlands Top--Künstler dafür gewinnen, drei Fenster für die Tholeyer Abtei zu entwerfen (die SZ berichtete). Doch Leonardy, der Saarbrücker Organist und Chef der Musikfestspiele Saar, fungiert nicht nur als Kontaktmann zu Richter, er baut gerade auch eine stabile Brücke zu einer zweiten Größe, zum estnischen Komponisten Arvo Pärt (83).

Denn Leonardy ist auch der Hauptverantwortliche, wenn es um das musikalische Programm der Einweihungsfeier für die renovierte frühgotische Klosterkirche geht. Seit 2017 läuft die Generalsanierung, sie sollte eigentlich dieses Jahr zu Ende sein. Doch der Wunsch-Einweihungstermin – avisiert war November – kann nicht realisiert werden. Dies teilte der Sprecher der Tholeyer Bruderschaft Frater Wendelinus (Johannes Naumann) der SZ gestern auf Nachfrage mit. Der Architekt habe diese Zeitvorgabe ausgeschlossen. Deshalb geht man laut Frater Wendelinus jetzt von einem Einweihungstermin kurz nach Ostern 2020 aus: „Einen exakteren Zeitplan für alle Gewerke wird es erst Ende März geben.“ Fest steht allerdings jetzt schon, dass das Einweihungsfest nicht nur einen Tag dauern soll, geplant ist eine Art Festwoche. Wendelinus: „Wir möchten so viele Menschen wie möglich erreichen, um uns zu bedanken für ihre Treue.“ Außerdem müsse man mit internationalem Medien- und Touristen-Andrang rechnen: „Wir merken, wie viel Interesse durch erste Medienberichte erzeugt wurde. Wir beginnen gerade zu ahnen, worauf wir uns eingelassen haben.“

Die Verschiebung auf 2020 stellt den Programm-Verantwortlichen Leonardy nicht vor unlösbare Probleme. Verträge – etwa mit dem Estnischen Philharmonischen Kammerchor – seien noch nicht unterschrieben, so Leonardy zur SZ. Er ist gerade von einer Reise nach Tallinn zurück, wo er Pärt besuchte. Dem Komponisten neuer Musik hat sein Heimatland im Oktober 2018 ein „Internationales Pärt-Zentrum“ geschenkt. Dort war Leonardy zu Gast.

Er möchte Pärt unbedingt bei den Feierlichkeiten in Tholey dabei haben, ebenso wie Richter, und die Chancen stehen nicht schlecht, wie Leonardy sagt. Der Musiker und der Maler kennen sich, haben 2015 für das International Festival in Manchester zusammengearbeitet. Pärt komponierte den elegischen Chorgesang „Die drei Hirtenkinder von Fatima“, Richter widmete dem Komponisten eine Fotoversion seiner Gemäldeserie „Birkenau“ und sein Werk „Doppelgrau“. In einer Kunstgalerie fanden Musik und Kunst dann bei der Uraufführung zusammen. Leonardy plant nun, Pärts Chormusik für die Orgel umzuschreiben. Eine Neukomposition für Tholey ist nicht vorgesehen.

Leonardy möchte das jetzt gewonnene größere Zeitfenster dafür nutzen, die Feierlichkeiten politisch hochkarätiger und proeuropäisch zu profilieren, hat vor, prominente Staatsvertreter aus Berlin, Frankreich und Estland zu gewinnen. „Wir schlagen einen Riesenbogen aus dem Südwesten Europas bis an die äußerste Nordostspitze, das ist ein Symbol.“