Benediktinerabtei St. Mauritius zu Tholey

Benediktinerabtei St. Mauritius zu Tholey

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Aktuelles

Saarbrücker Zeitung vom 15.10.2017

Feierlicher Auftakt der Jubiläums-Wallfahrt

Von: Frank Faber

Weihrauch für Wendelin zum Abschluss der Prozession: Benediktiner-Abt Mauritius Choriol, Bischof Stefan Ackermann und Pastor Klaus Leist (von links) am Schrein des St. Wendeler Stadtheiligen.
Foto: Bonenberger/ / B&K

St. Wendel. Hunderte Gläubige begleiteten gestern die Prozession des St. Wendeler Stadtheiligen Wendelin durch die Gassen der Altstadt.

Die Lade mit den Gebeinen des Heiligen Wendelin ist am gestrigen Sonntag feierlich geöffnet worden. Es war ein triumphaler Auftakt der Jubiläums-Wallfahrt in St. Wendel. Bis zum 1. November ist die Basilika nun Pilgerziel für gläubige Christen. Der St. Wendeler Pastor Klaus Leist sprach von einem „Jahrhundertereignis“. Und überhaupt. „Was kann schöner sein, als den Heiligen Wendelin bei so tollem Wetter durch seine Stadt zu fahren“, sagte der begeisterte Kirchenmann. Bis auf den letzten Platz gefüllt war die Wendelinus-Basilika, beim vom Trierer Bischof Stephan Ackermann zelebriertem Pontifikalamt.

„Was kann uns die Tradition über den Heiligen Wendelin sagen?“, fragte der Bischof. Könne ein Einsiedler, Missionar und Mönch heute noch Anstöße geben oder Menschen inspirieren? „Heute kann man Wendelin als Aussteiger bezeichnen“, charakterisierte Bischof Ackermann den Volksheiligen, dessen 1400. Todesjahr nun so groß gefeiert wird. Wendelin sei ein Gegenmodell zur heutigen Zeit gewesen. Er habe sein Leben reduziert und konzentriert. „Zum heutigen Leben ist es eine Provokation, in dem wir dauerverletzt durch die sozialen Medien hetzen, um möglich viel mitzubekommen und um ja nichts zu verpassen“, meinte Ackermann.

Während seiner Ausführungen im Altarraum warteten bereits 200 Pilger vor der Basilika. Das Geklapper der Hufe kündigte die Pferdekutsche an, die den Schutzpatron später bei der Prozession durch die Gassen der Stadt beförderte. Diesen Höhepunkt gab es zuletzt 1960- damals wurde die Lade noch von Männern getragen. „Es war überwältigend zu sehen, wie viele Menschen vor der Basilika gestanden haben und die Prozession begleitet haben. Mit so einer Resonanz habe ich nicht gerechnet“, sagte Pastor Leist nach Wendelins Triumphzug. Sieben Feuerwehrleute hatten den Schrein auf die Kutsche gehievt und sechs ihrer Kameraden mit brennenden Fackeln flankierten das von vier Pferdestärken gezogene Transportgefährt. Den Ton gab der Musikverein „Lyra“ Bliesen an während der 20-minütigen Stadtrundfahrt an.

Zurück im Gotteshaus erlebten die Gläubigen einen ganz besonderen Moment. Sie hielten den Atem an, als Bischof Ackermann, Pastor Leist und der Abt der Tholeyer Benediktinerabtei, Mauritius Choriol, ein Nachfolger Wendelins, vor die wieder im Altarraum platzierte Lade traten. Ackermann schwenkte das Weihrauchfässchen und öffnete kurz darauf den Deckel des Schreins. Und alle Pilger sangen gemeinsam mit dem Chor der Wendelinus-Basilika: „Wendelinus, Schutzpatron, bitt für uns an Gottesthron“, die sakrale Hymne des Volksheiligen, ohne den es St. Wendel nie gegeben hätte. Ackermann. „Die Spiritualität Wendelins ist längst noch nicht ausgereizt“, prophezeite der Bischof.

Anlässlich der Wallfahrt wurde im Saalbau das neue Kochbuch „Aus St. Wendelins Küche“ offiziell vorgestellt. Der Verkaufserlös kommt einem Waisenhausprojekt der indischen Schwestern, die zur Pfarrgemeinde gehören und in der Stiftung Hospital arbeiten, zugute. Dazu wurde ein symbolischer Scheck in Höhe von
15 000 Euro an Insel-Pfarrer Don Carmelo aus Lampedusa für dessen Flüchtlingsprojekte übergeben. Pfarrer Leist ist überzeugt: „Durch die Teilnahme Don Camelos an der Wallfahrt hier in St. Wendel verstärkt sich die Bindung zwischen St. Wendel und Lampedusa.“ Und: „Vom Grab Wendelin schauen wir auch weit über die Basilika hinaus.“

Bischof Ackermann meinte, es sei ein wunderbarer Auftakt für ein Fest des Glaubens gewesen. „Ich erlebe sehr oft, dass Wallfahrt neu belebt wird“, berichtete er. Etwas Last viel am Sonntagmittag indes von Pastor Leist ab. „Es war ein Feiertag für die Pfarrgemeinde und die Stadt. Alles hat gut geklappt und ist perfekt gelaufen“, sagte der Kirchenmann. Einen besseren Start in die beiden Jubiläums-Wallfahrtswochen hätte er sich nicht wünschen können.

Der Schrein mit den Gebeinen des Heiligen Wendelin ist nun zwei Wochen für Wallfahrer geöffnet.
Foto: Bonenberger/ / B&K

Prozession mit dem Schrein des hl. Wendelin auf dem Pferdegespann
Foto: Bonenberger/ / B&K

Saarbrücker Zeitung vom 10.07.2017

Auf einen Plausch in den Klostergarten

Von: Evelyn Schneider

Blick in den Klostergarten der Benediktinerabtei in Tholey. Hier wird am Sonntag gefeiert. Foto: Bonenberger / B&Ke

Tholey. Es ist Tradition der Benediktinerabtei in Tholey, einmal im Jahr mit den Menschen zu feiern. Am Sonntag laden die Mönche zum Fest.

Sanft plätschert an diesem Morgen das Wasser im Brunnen. Würdevoll thront darauf eine Muttergottes-Statue mit dem kleinen Jesus auf dem Arm und schaut milde auf den Eintretenden hinab. Flankiert wird der Brunnen, der Mittelpunkt des Klostergartens ist, von Statuen der vier Evangelisten. Alles ist herrlich ruhig.

In dieser Idylle des ältesten Klosters Deutschlands leben aktuell 13 Mönche und ein Postulant. Ein Postulat ist, erläutert Abt Mauritius Choriol, quasi eine erste Stufe zum künftigen Leben im Konvent. In dieser Probezeit lerne der 27-jährige aus dem Saarland das Klosterleben und die Gemeinschaft kennen. Und die wiederum ihn. Daran würde sich die einjährige Ausbildung als Novize anschließen, dann die zeitliche und schließlich die feierliche Profess. Der Abt ist froh über die Konstanz in seiner Gemeinschaft. Viele große Klöster litten — ähnlich der weltlichen Gesellschaft — unter dem demografischen Wandel. Die Konvente seien überaltert; viele Mönche älter als 70 Jahre und teils pflegebedürftig. Und bei einem Altersunterschied von 15 Jahren und mehr sei es schwierig für einen jungen Mann, sich in die Gemeinschaft einzufinden. Dessen ist sich der Abt bewusst. Umso zufriedener blickt er auf den möglichen Nachwuchs.

Einmal im Jahr feiern die Benediktinermönche mit den Menschen in Tholey. Am kommenden Sonntag, 16. Juli, laden sie zum Klosterfest. Dieses beginnt um 10 Uhr mit einem Hochamt. Für einen aus der Gemeinschaft ist das ein besonderer Termin: Pater Joachim Wernersbach, der am Sonntag zum Priester geweiht wurde, feiert seine Primiz. Zum ersten Mal ist er somit Hauptzelebrant einer Messe.

Im Anschluss daran schlüpft Abt Mauritius Choriol in seine ehemalige weltliche Rolle. Denn der einstige Sternekoch sorgt dafür, dass den Gästen kulinarisch einiges geboten wird. „Weil es im vergangenen Jahr so gut ankam, wird es wieder einen Stand mit asiatischem Essen geben“, so der Abt. Um diesen kümmert sich der von den Phillippinen stammende Pater Albert Bagood.

Um 14.30 Uhr steht eine Führung auf dem Programm. Außerdem hat der 79-jährige Steyler Missionar und Zauberpater Hermann Bickel seinen Besuch angekündigt. Wie Bruder Wendelinus berichtet, hat auch die Imkerei des Klosters wieder geöffnet. Bruder Markus habe diese Aufgabe übernommen. Um 16 Uhr gibt es ein Konzert in der Abteikirche. Es singt unter anderen Pater Albert Bagood, begleitet von Christian Mees an der Orgel. Auch Sänger der Klosterband werden auftreten. Der Eintritt zu dem Konzert ist frei.

Das Klosterfest endet um 17.30 Uhr mit der Vesper. Für den Tholeyer Abt ist das Klosterfest ein Fest der Begegnung. Gerade ein Spaziergang durch den Klostergarten, so ergänzt Bruder Wendelinus, eigne sich dazu, ins Gespäch zu kommen.

Saarbrücker Zeitung vom 09.07.2017

Weihe: Bruder Joachim ist jetzt Priester

Von: Evelyn Schneider

Am Ende der Feier in der Abteikirche: Der frischgeweihte Priester Joachim Wernersbach (links ) mit dem Erzbischof Monsignore Jean-Claude Périsset (Mitte) und dem Tholeyer Abt Mauritius Choriol. Foto: Bonenberger / B&Ke

Beinahe ein Vierteljahrhundert ist es her, als in der Tholeyer Abteikirche zum letzten Mal eine Priesterweihe aus dem Konvent gefeiert wurde. Damals, vor 24 Jahren, war es der heutige Abt Mauritius Choriol, der seine Weihe empfing. Am Sonntag stand er nun neben Bruder Joachim Wernersbach, der seinen Eintritt ins Priesterleben in der vollbesetzten Kirche feierte. „Ich bin dankbar, dass es dazu gekommen ist“, sagt der 62-jährige Benediktinermönch am Vortrag seiner Feier. Das zweite Gefühl, mit dem er dem Moment entgegenblicke, sei Freude. Es ist, wie der Benediktiner selbst sagt, sein zweites Leben, das er im Tholeyer Kloster verbringt. Der Einschnitt im Alter von 50. Solange habe er gebraucht, die „wahre Richtung“ zu finden. Zu seinem runden Geburststag habe er sich damals ein Theologie-Studium geschenkt. Im Anschluss daran trat er ins Kloster ein.

Das Leben davor spielte sich in der Geschäftswelt ab. 20 Jahre verbrachte er in den USA, studierte dort. In den 1990er-Jahren baute er in Deutschland eine Firma auf. Mit 13 Mitarbeitern sei diese gestartet. „Als ich wegging, waren es 170.“ Seelsorge ist dem 62-Jährigen sehr wichtig. Und diese könne er als Priester jetzt noch intensivieren. „Die Menschen müssen wieder Freude am Glauben haben. Und wenn ich sie anspreche, dann muss ich selbst auch diese Freude ausstrahlen“, sagt er und lächelt.

Die Menschen erreichen, das geht auch mit Musik. In den Gottesdiensten bietet das Kloster ein breites Spektrum an: vom gregorianischen Choral bis hin zu moderner geistlicher Musik. Letztere steht im Fokus der Kloster-Band, für die Joachim Wernersbach zuständig ist. Musiker aus dem Kloster selbst und von außerhalb treffen sich regelmäßig zum Proben und gestalten Messen musikalisch mit. Darüber hinaus kümmert sich Bruder Joachim seit drei Jahren um eine Gruppe von Oblaten. Das sind Laien, die ein weltliches Leben führen, sich aber mit der Abtei verbunden fühlen. „Diese Gruppe wächst stetig“, sagt Abt Mauritius Choriol stolz.

Im Kreise seine Mitbrüder und vieler Kirchenbesucher empfing Joachim Wernersbach die Priesterweihe von Erzbischof Monsignore Jean-Claude Périsset. Von 2007 bis 2013 war der 78-jährige Apostolischer Nuntius in Deutschland, sprich ein Botschafter des Papstes. „Dient dem Herrn mit Freude“ — so lautet die Botschaft eines Psalms, der auf dem Heft zur Feier der Priesterweihe zu lesen ist. Das will Bruder Joachim tun. „Es ist der schönste Tag in meinem Leben“, sagt er.

Seine Primiz — das ist der erste Gottesdienst als Hauptzelebrant — feiert der frisch geweihte Priester am Sonntag, 16. Juli, 10 Uhr, in der Abteikirche. Das Hochamt ist zugleich Auftakt des Klosterfestes.