Benediktinerabtei St. Mauritius zu Tholey

Benediktinerabtei St. Mauritius zu Tholey

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Mittelalter

Funde aus dem frühen Mittelalter

aus: Gemeindebote Tholey 45 / 2001

Tholey (np). Geschichtsträchtiger Boden nicht nur um, sondern auch in Tholey. Und damit derzeit auch im wahrsten Sinne des Wortes ein "weites Feld", das es für Archäologen zu erkunden gilt. Während im Wareswald, begünstigt durch den "Goldenen Oktober", die letzten Grabungsarbeiten im Rahmen des Terrex-Projektes für dieses Jahr laufen, musste im Tholeyer Ortskern in Windeseile ein neues Vorhaben gestartet werden. Bei Tiefbauarbeiten zur Verlegung eines neuen Kanals zwischen der Abteikirche und dem Gästehaus "St.Lioba" der Benediktinerabtei wurden bisher sechs Steinsärge entdeckt, die sterbliche Überreste früherer Bewohner der christlichen Ansiedlung beinhalten. Das Staatliche Konservatoramt hat aufgrund der überraschenden Funde schnell reagiert und den Archäologen Dr. Peter Buwen mit der Sicherung der Funde beauftragt. Die eigentlichen Kanalbauarbeiten an dieser Stelle, sie sind Bestandteil der ersten Ausbaustufe der Tholeyer Ortskernsanierung, ruhen einstweilen. Noch kann man keine ganz genaue Datierung der "Kistengräber" angeben. Allerdings mutmaßt Peter Buwen wegen der konisch zulaufenden Gestaltung der Särge, dass sie aus dem frühen Mittelalter, in diesem Fall aus dem 8. bis 11. Jahrhundert nach Christus stammen können. Das war die Zeit der Besiedlung unserer Heimat durch die Franken. Die Geschichte des christlichen Tholey beginnt mit dem Testament des Adalgisel, eines auch Grimo genannten fränkischen Edlen, der im Jahr 634 die, von ihm in den Resten der römischen Badeanlage errichteten Kirche ("Stätte der Heiligen") mit umfangreichen Liegenschaften ("Domo et castrum Teulegio") dem Bischof von Verdun vermachte. In diese "Stätte der Heiligen", nach damaligem Zeitverständnis ein Mönchskonvent, schickte der Bischof von Trier auf Wunsch des Adalgisel Kleriker, "die dort dienen".

Das Kloster Tholey, im Geiste des Mönchvaters Columban als iro-fränkisches monastisches Institut gegründet, gilt als das früheste Kloster auf heutigem deutschen Boden. Interessant war schon der erste Grabfund, denn bei der Auswahl der Steine zu dieser letzten Ruhestätte hatte man offenbar einen römischen Opferstein mit verwendet, aus dessen Trümmern dann der Sarg aufgebaut worden war. Zu erkennen war dieser Stein an eingemeißelten Inschriften, die teilweise noch lesbar sind. Hier nimmt der Archäologe an, dass der Opferstein von den christlichen Bewohnern als "heidnisch" empfunden und deswegen zerstört wurde. Denkbar ist auch, dass die fränkischen Bewohner, die den Römern im 6. Jahrhundert relativ rasch als Siedler in unserem Gebiet folgten, die vorgefundenen Reste römischer Grabmale einfach für ihren Zwecke umnutzten. Dafür sprechen auch Ziegelreste aus römischer Zeit, die sich unterhalb der Särge fanden. Die übrigen Steinsärge, die bislang freigelegt wurden, tragen - bis auf eine kleine Ausnahme - keine Inschriften. Lediglich Bearbeitungsspuren von Meißeln oder ähnlichem Werkzeug zeugen davon, dass auch sie einst behauen wurden. Dr. Buwen erklärt, dass es sich bei den in den Särgen ruhenden Gebeine mit allergrößter Wahrscheinlichkeit um die sterblichen Überreste von Christen handelt. Darauf deute allein schon die Tatsache hin, dass bislang keinerlei Grabbeigaben aufgetaucht sind. Allerdings muss man einschränkend bemerken, dass der Völklinger Archäologe wohl nicht der erste ist, der hier eines der Gräber öffnet. Vor einigen hundert Jahren müssen die Grabkammern schon einmal geöffnet gewesen sein. Bislang fand sich nämlich in jedem Steinsarg auch Erdmasse, die keinesfalls im Laufe der Jahrhunderte dort hinein geschwemmt sein kann. Einige der neuen Funde haben schon den Weg ins Abteimuseum gefunden, andere harren noch einer eingehenden Sichtung. Die sterblichen Überreste aus den jetzt geöffneten Steinsärgen werden zu einem späteren Zeitpunkt wieder in würdiger Form bestattet, wie der Archäologe erklärte. Im Übrigen kann er anhand von anderen Funden menschlicher Gebeine in der näheren Umgebung der Steinsärge belegen, dass schon die damaligen Bestatter einen bereits vorhandenen Friedhof genutzt haben müssen, um ihre Toten zur letzten Ruhe zu betten.