Benediktinerabtei St. Mauritius zu Tholey

Benediktinerabtei St. Mauritius zu Tholey

@

Geschichte der Abteikirche

Geschichte und Baugeschichte

von Dr. Franz-Josef Reichert

Benediktinerkloster und Kirche des hl. Mauritius stehen auf ausgedehnten Fundamenten einer römischen Poststation in der Nähe wichtiger Römerstraßen. Auch für die Umgebung des Ortes sind durch Ausgrabungen römische Siedlungsreste nachgewiesen. Bei Bodenarbeiten stößt man immer wieder auf bisher unbekannt gebliebene Spuren reger Bautätigkeit. Flurnamen wie „Wareswald" deuten in diese Richtung.

Der 571 m hohe Schaumberg war in keltischer Zeit als Fliehburg ausgebaut, trug um die Zeitenwende ein römisches „castrum" und war im Mittelalter bekrönt von der „Schauenburg", die 1631 völlig zerstört wurde.

Im Schutz des Berges entwickelten sich nach dem Untergang des Römischen Reiches Gemeinde und Kloster mit wechselndem Geschick. Im Mittelalter war Tholey, dessen Name mit hoher Wahrscheinlichkeit auf das römische „tegula" (Ziegel) zurückgeht,

Hauptort eines besonderen Amtes Schaumburg des Herzogtums Lothringen und kam 1787 durch Vertrag an Pfalz-Zweibrücken. In den Wirren der Französischen Revolution wurde das Kloster am 7. Juli 1794 aufgehoben, Kirche und Kloster 1797 in Metz, 1798 in Straßburg versteigert 1808 erwarb ein Tholeyer Bürger die gotische Abteikirche und schenkte sie der Gemeinde als Pfarrkirche. Am 8. Dezember 1949 wurde die Abtei durch Papst Pius XII. wieder errichtet und von Mönchen der Trierer Abtei St. Matthias unter Abt Dr. Petrus Borne neu besiedelt.

  • Luftaufnahme von Abteikirche und Abteigarten

Kirche und Klostergebäude wurden in der Folgezeit den Bedürfnissen einer Klostergemeinschaft wieder angepasst. Insbesondere die Abteikirche musste ab 1957 einer tiefgreifenden Renovierung unterzogen werden. Sie wurde mit staatlicher und kirchlicher Unterstützung erneuert und gesichert sowie nach liturgischen Gesichtspunkten neu gestaltet.

Die barocke Turmhaube der Abteikirche beherrscht das Ortsbild. Von welcher Seite man sich ihr auch immer nähert, stets hat man den mächtigen Komplex von Kirche und Abteigebäude vor Augen. Kommt man vom Marktplatz her auf die Abtei zu, sieht man vor dem Rathaus eine Säule, bekrönt von einem römischen Kapitell und dem Zeichen des Kreuzes.

Der Säulenschaft ist - wie die Zuwegung zur Kirche übrigens auch - neueren Datums; er wurde nach Fertigstellung der umfassenden Restaurierung errichtet. Das Kreuz stammt aus unseren Tagen, während das Kapitell tief in die Geschichte Tholeys hinabreicht. Es wurde zwischen Juli 1957 und Dezember 1959 in beträchtlicher Tiefe im heutigen Hauptchor gefunden und war Eckstein des Fundamentes eines Rechteckchores, der wahrscheinlich in die Mitte des B. Jh., jedenfalls vor die Mitte des 9. Jh. zu datieren ist. Das stark verwitterte Kapitell trägt auf der Oberseite Spuren eine Zweitverwendung. Wozu es diente, lässt sich heute nicht mehr ausmachen; vielleicht war es Unterlage einer primitiven Mühle. Die Bauleute des 8./9. Jh. erkannten es wohl als aus früher Zeit stammend und heidnischen Ursprungs. Deswegen legten sie diesen wertvollen Bruchstein an die tiefste Stelle ihres Chorfundamentes, um auf diese Weise den Sieg des Christentums über das Heidentum zu dokumentieren. Es zeugt von einer gewissen Gedankentiefe, dass dieses Symbol heute wieder sichtbar gemacht worden ist.

  • Grundriss der Abteikirche Tholey
  • Grundriss der Abteikirche

Es ist immer wieder die Frage gestellt worden, zu welchem römischen Gebäudekomplex diese Grundmauern gehört haben, die sich in Richtung des heutigen Rathauses, über den Westturm der Abteikirche hinaus in südlicher Richtung hin erstrecken. Es ist von einer villenähnlichen oder militärischen Anlage gesprochen worden, ohne dass diese Deutungen zu überzeugen vermochten. Der vom Schaumberg herangeführte Wassergraben - bei den wiederholten Grabungen eindeutig erkannt, -beschrieben und gedeutet - lässt auf die Bewässerung einer großen Bäderanlage schließen- Die ein­zelnen Raumsegmente. eine Hypo-kaustenanlage,­ Feuerungsstellen im Westteil der heutigen Kirche­ - alles dies deutet auf eine weitläufige öffentliche Anlage hin.

Professor Jean Moreau hat sich dahingehend geäußert, dass sich an diesem wichtigen Knotenpunkt der römischen Heerstraßen Metz - Mainz und Metz- Worms mit ihren Abzweigungen nach Trier, Neunkirchen und Saarbrücken eine Poststation (mutatio und mansio) befunden habe. Diese Deutung kommt dem Ausgrabungsbefund sehr nahe. In dem ausgedehnten Feld mit römischem Grund­mauerwerk, das leider nie im Zusammenhang. sondern immer nur bruch-stückhaft ergraben werden konnte, war kein aufgehendes Mauerwerk mehr zu finden. Die in unserem Jahrhundert noch aufgefundenen Mauerreste lagen wahrscheinlich bereits zu fränkischer Zeit unter dem damaligen Bodenniveau, so dass von daher weitere Anhaltspunkte feh­len. Es fanden sich aber bei den früheren und jüng­sten Grabungen eine Reihe von römischen Spolien. die auf eine reiche Bauausstattung der Anlage schließen lassen.